CBD-Öl

Psychische Wirkung

Gegen Angstzustände und Depressionen

CBD kann Angstzustände und Depressionen lindern, wie eine Studie aus Brasilien herausfand. Die Wissenschaftler vermuten, dass CBD seine antidepressive Wirkung durch die Aktivierung des Serotonin-Rezeptors 5-HT1A entfaltet. Dieser Rezeptor ist ein wichtiger Angriffspunkt zur Behandlung von Depressionen und Angstzuständen. Indem CBD an den Rezeptor 5-HT1A bindet und diesen aktiviert, reguliert es die Freisetzung von Serotonin sowie anderer Botenstoffe und entfaltet dadurch eine angstlösende und antidepressive Wirkung.
 

Körperliche Wirkung

Innere Wirkung

CBD wirkt auf das Endocannabinoid-System. Dieses ist ein wichtiger Bestandteil des Nervensystems. Über die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems werden Botenstoffe ausgeschüttet und weitergeleitet, die beispielsweise das Schmerzempfinden, das Erinnerungsvermögen und Gefühle beeinflussen sowie das Immunsystem regulieren. Die körpereigenen Botenstoffe, die mit dem Endocannabinoid-System interagieren, nennt man Endocannabinoide.
 
Werden Cannabinoide wie CBD eingenommen, können diese ebenfalls an Endocannabinoid-Rezeptoren binden und sie entweder aktivieren (als Agonist wirken) oder blockieren (als Antagonist wirken). Die Stimulierung durch einen Agonisten kann die Ausschüttung körpereigene Botenstoffe unterstützen und damit bestimmte biochemische Regulierungsprozesse in Gang setzen. Die wichtigsten Cannabinoid-Rezeptoren sind der CB1- und der CB2-Rezeptor. CBD wirkt antagonistisch zu THC. Das bedeutet, es steht mit THC in Konkurrenz um die Bindung an den CB1-Rezeptor, weshalb es dessen psychoaktive sowie appetitanregende Wirkung herabsetzen kann.
 

Gegen Krebs

Cannabidiol kann das Wachstum von Krebszellen eindämmen. Wissenschaftler des
California Pacific Medical Center Research Institute in San Francisco konnten eine effektive Wirkung von CBD gegen Brustkrebs feststellen. Die Wissenschaftler führten dies darauf zurück, dass CBD das Protein Id-1 hemmt und dadurch die Entstehung und das Wachstum neuer Blutgefäße (Angiogenese) in Tumoren verhindert. Durch diese Prozesse wird die Entwicklung von Krebszellen unterbunden. Weitere Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Aktivierung der CB-2- sowie Vanilloid-1-Rezeptoren durch CBD darüber hinaus zu einer Apoptose (einem programmierten Zelltod) von Krebszellen führt. Bisherige Studien konnten unter anderem eine krebshemmende Wirkung von CBD bei Brustkrebs, Leukämie, Prostatakrebs sowie Gliomen (Gehirn- bzw. Rückenmarkstumoren) nachweisen.
 

Bei Multipler Sklerose und Epilepsie

Cannabidiol wird als Bestandteil von Arzneimitteln gegen Multiple Sklerose und Epilepsie genutzt. Aufgrund seiner entkrampfenden und schmerzstillenden Eigenschaften ist es zum Beispiel in Spasmolytika (krampflösenden Arzneimitteln) wie Sativex und Nabiximol enthalten. Diese Medikamente lindern die mit Multipler Sklerose einhergehenden Krampfanfälle und Schmerzen. Da die beiden Arzneimittel aber ebenfalls THC enthalten, fallen sie unter das Betäubungsmittelgesetz.
 
Cannabidiol kann die Spasmen einiger Epilepsie-Formen beim Kind, zum Beispiel beim Dravet-Syndrom oder Lennox-Gastaut-Syndrom, deutlich lindern. Bei einer klinischen Studie kamen israelische Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die regelmäßige Einnahme von CBD Epilepsie-Anfälle bei Kindern und Jugendlichen stark reduzieren kann. Eine weitere jüngst publizierte Doppelblindstudie verzeichnete einen deutlichen Rückgang der durch das Lennox-Gastaut-Syndrom verursachten Krampfanfälle bei einer Behandlung mit CBD.
 

Gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Erste Untersuchungen zur entzündungshemmenden Wirkung von CBD lassen darauf schließen, dass der Wirkstoff ein vielversprechender Kandidat für die Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (auch IBD = Inflammatory Bowel Disease genannt) ist. CBD könnte daher künftig für die Therapie von Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn eingesetzt werden.
 

Gegen Schmerzen

Einige Patienten berichten, dass sie Cannabidiol erfolgreich gegen Migräne oder andere Schmerzen verwenden. Derzeit wird CBD vermehrt auf seine analgetischen (schmerzlindernden) Eigenschaften hin untersucht. Die bisherigen Studienergebnisse sind allerdings noch nicht aussagekräftig und die Wirkweise noch nicht eindeutig geklärt.
 
Es gibt bisher unterschiedliche Erklärungsansätze für die schmerzlindernde Wirkung von CBD. Eine mögliche Ursache ist die Aktivierung des Vanilloid-Rezeptors 1 („Schmerzrezeptor“) durch das Cannabidiol. Der Vanilloid-Rezeptor 1 ist ein Kanal der Nervenzellen, welcher u.a. für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich ist. Er kann beispielsweise durch den scharfen in der Paprika und Chili enthaltenen Wirkstoff Capsaicin aber auch durch CBD aktiviert werden. Einige chinesische Wissenschaftler wiederum führen die Wirkung gegen chronische Schmerzen auf die Aktivierung des Glycerin-Rezeptors durch CBD zurück. Ein dritter Ansatz, die schmerzhemmenden Eigenschaften des CBD-Öls zu erklären, ist dessen positive Wirkung auf den Anandamid-Spiegel. CBD hemmt das Enzym FAAH (Fettsäureamid-Hydrolase), welches für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid verantwortlich ist. Dadurch wird dessen Konzentration erhöht. Anandamid ist bekannt dafür, dass es Glücksgefühle und Euphorie auslöst. Man geht allerdings davon aus, dass es ebenfalls eine große Rolle bei der Schmerzregulierung spielt.
 

Gegen Allergien und Asthma

Aufgrund seiner positiven Auswirkungen auf die Abwehrkräfte und seiner entzündungshemmenden sowie entkrampfenden Eigenschaften, können bei regelmäßiger Einnahme von CBD-Öl die Symptome von Allergien und Asthma gemindert werden.
 

Bei hyperkinetische Bewegungsstörungen

Neuere Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass CBD in Zukunft für die Behandlung von hyperkinetischen Bewegungsstörungen genutzt werden kann, die mit dem Absterben oder den Fehlfunktionen von Nervenzellen einhergehen. Aussagekräftige Studien hierzu stehen jedoch noch aus. Neurodegenerativen Erkrankungen wie Chorea Huntington, Tourette-Syndrom oder Parkinson stehen mit einer Störung der Basalganglien in Zusammenhang.  Die Basalganglien regulieren den Austausch von Botenstoffen, die für motorische Funktionen sowie kognitive Prozesse wichtig sind. Sie sind überwiegend in den Hirnregionen zu finden. Es wurde festgestellt, dass bei Chorea-Huntington-Patienten die Anzahl der CB-1-Rezeptoren in den Basalganglien vermindert ist. Hier könnte eine Therapie mit CBD ansetzen. Auch der Einfluss von CBD auf die Adenosin-Rezeptoren könnte möglicherweise künftig für die Therapie von hyperkinetischen Bewegungsstörungen von großer Bedeutung sein. Über die Adenosin-Rezeptoren wird u.a. der Botenstoff Dopamin freigesetzt. Bei vielen neurogenerativen Erkrankungen (wie etwa bei Parkinson) ist die Signalübertragung von Dopamin gestört, weil das dafür notwendige Enzym Tyrosinhydroxylase fehlt. Der dadurch entstehende Dopamin-Mangel stört das Gleichgewicht zwischen hemmenden und aktivierenden Botenstoffen, wodurch es zu unkontrollierten Bewegungsabläufen (Hyperkinese) kommt. Auch die für das Tourette-Syndrom typischen Tics führen Wissenschaftler auf ein Ungleichgewicht der Botenstoffe zurück. CBD kann möglicherweise bei diesen Erkrankungen regulierend eingreifen, da es den Adenosin-Rezeptor aktiviert und dadurch die Ausschüttung von Dopamin unterstützt. Man schreibt ihm daher eine neuroprotektive Wirkung zu.

Anwendung

Die Dosierung von CBD-Öl muss stets individuell angepasst werden, da das Öl bei jedem Menschen unterschiedlich stark wirkt. Anfangs ist zu einer geringen Dosierung zu raten, um die Verträglichkeit sowie die individuelle Wirksamkeit zu testen. Je nach Indikation und Stärke der Beschwerden sollten Sie dazu zunächst zwei- bis dreimal täglich jeweils zwei bis drei Tropfen CBD-Öl einnehmen. Falls die Wirkung noch nicht effektiv genug ist, können Sie die Dosis nach ca. einer Woche auf täglich zwei- bis dreimal fünf Tropfen erhöhen. In leichteren Fällen kann es ausreichen eine 5-prozentige CBD-Lösung zu verwenden, während bei stärkeren Beschwerden die Einnahme einer 10-prozentigen Lösung empfohlen wird.
 
Um eine besonders effektive Wirkung zu erzielen, sollten Sie CBD-Öl unter die Zunge geben und zunächst einige Minuten wirken lassen, bevor Sie es herunterschlucken. Auf diese Weise kann das Öl bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.
Wer eine schnelle Wirkung innerhalb weniger Minuten wünscht, sollte das CBD-Öl auf nüchternen Magen verwenden. Wird es erst nach dem Essen eingenommen, kann man gegebenenfalls einige Stunden auf den Eintritt der Wirkung warten.
 
CBD-Öl ist ebenfalls in Kapselform erhältlich. Diese sind praktisch für unterwegs und eine gute Alternative für Anwender, die den Geschmack des CBD-Öls nicht mögen. Sie wirken allerdings erst im Magen, da das CBD in dieser Darreichungsform nicht über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann. Daher zeigt das CBD-Öl in Tropfenform effektivere Behandlungsergebnisse. 

Nebenwirkungen

CBD wird bisherigen Erfahrungen zufolge gut vertragen. Es können jedoch bei einer hohen Dosierung leichte Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Mundtrockenheit oder Durchfall auftreten. Da CBD-Öl zudem den Appetit hemmen kann, sollten Menschen mit einer schweren Krankheit, ärztlichen Rat einholen, bevor sie eine Behandlung mit CBD beginnen. Dies gilt insbesondere wenn die Erkrankung bereits zu einer Abmagerung geführt hat.
 

CBD-Öl für Kinder?

Es gibt bisher noch keine hinreichenden Studienergebnisse zu einer Anwendung von CBD-Öl bei Kindern. Erste Erkenntnisse lassen zwar darauf schließen, dass der Wirkstoff ebenfalls positive gesundheitliche Effekte für Kinder und Jugendliche hat und auch diese das CBD-Öl gut vertragen, jedoch fehlen derzeit noch Langzeitstudien zu eventuellen Nebenwirkungen. Aus diesem Grund ist Vorsicht geboten, wenn Sie erwägen sollten, Ihr Kind mit CBD-Öl zu behandeln. In diesem Fall sollten Sie sich vorab mit Ihrem Arzt beraten.
 

CBD in der Schwangerschaft

Von einer Anwendung von CBD-Öl während der Schwangerschaft wird abgeraten, da der Wirkstoff einen ungünstigen Einfluss auf die Placenta ausüben könnte.
 

CBD-Öl für Tiere

CBD-Öl ist auch für Tiere sehr gut geeignet. Bei Hunden und Katzen wird es insbesondere eingesetzt, um Angstzustände zu bekämpfen, Schmerzen sowie Entzündungen zu lindern oder Epilepsie zu behandeln. Die Dosierung sollte jedoch vorsichtig gehandhabt werden, da Tiere bei einer Überdosierung mit schweren Nebenwirkungen reagieren können. Besprechen Sie eine geplante Behandlung daher vorab mit dem Tierarzt ab.



Chemische Zusammensetzung

CBD-Öl enthält neben Cannabidiol noch ca. 480 weitere Cannabinoide, die wichtigsten darunter sind CBC-Säure (CBDA), Cannabichromen (CBC), Cannabinol (CBN), Cannabigerol (CBG). Daneben finden sich als weitere Wirkstoffe diverse Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), die Terpene Myrcen, Limonen, Alpha- und Beta-Pinen, Caryophyllen sowie die Terpen-Alkohole Phytol, Nerolidol und Linalool.
 

Herstellung, Lagerung und Haltbarkeit

CBD-Öl wird durch Extraktion aus den getrockneten Blüten und Blättern der Hanfpflanze hergestellt. Bei der industriellen Produktion wird dabei meistens Kohlenstoffdioxid als Lösungsmittel verwendet. Dieses schonende Verfahren hat den Vorteil, dass wichtige Inhaltsstoffe wie die Terpene erhalten bleiben. Zudem verbleiben keine Rückstände des Lösungsmittels im Endprodukt, da der Kohlenstoffdioxid sich nach dem Herstellungsprozess des CBD-Öls im gekühlten Kondensator wieder in seinen gasförmigen Zustand transformiert und dann komplett wieder verflüchtigt. Wer CBD-Öl selbst herstellen möchte, kann eine vereinfachte Form der Extraktion mit Alkohol wie Äthanol oder Isopropylalkohol durchführen. Dieses Verfahren hat allerdings den Nachteil, dass viele der gesunden Inhaltsstoffe verloren gehen. Der fertige CBD-Auszug wird nach der Extraktion in Öl gelöst. In der Regel wird dafür Hanfsamenöl verwendet, da dieses aufgrund seiner wertvollen Inhaltsstoffe die gesunden Eigenschaften des CBDs unterstützt. Das fertige CBD-Öl ist als üblicherweise als 2 bia 10 prozentige Lösung erhältlich.
 
CBD-Öl sollte möglichst wenig Licht sowie Hitze ausgesetzt werden. Am besten bewahren Sie die angebrochene Flasche im Kühlschrank auf. Nach dem Öffnen der Flasche ist das CBD-Öl etwa ein Jahr haltbar.

Geschichte

Die Bedeutung der Bezeichnung Hanf ist bisher noch ganz nicht geklärt. Einige Sprachwissenschaftler vermuten, dass der deutsche Name eine Ableitung vom griechischen Gattungsnamen Cannabis ist, die über einen langen Zeitraum hinweg vielfachen Modifizierungen unterzogen wurde. Die Artbezeichnung sativa stammt aus dem Lateinischen und charakterisiert den Hanf als Kulturpflanze.
 

Frühgeschichte

Im alten China wurden Hanfsamen bereits seit etwa 8000 v. Chr. als Nahrungs- und Heilmittel genutzt wie archäologische Funde bezeugen. Mit den Fasern der Hanfpflanze stellte man Seile und Kleidung her. Spätestens seit 87 v. Chr. nutzte man den Hanf in China zudem als Rohstoff zur Papierproduktion.
 
Durch das Shen Nong Ben Cao Jing („Heilkräuterklassiker nach Shennong“), ein chinesisches Heilpflanzenbuch, das um die Zeit zwischen 300 und 200 v. Chr. datiert wird, erhalten wir Informationen über den Gebrauch des Hanfs als Heilpflanze. Man führt den Inhalt auf die Forschungen des legendären Kaisers Shennong (ca. 2800 v.Chr.) zurück, der die Heilkräuter ausgiebig studiert haben soll. Gemäß den Überlieferungen dieses Werks, nutzten die Chinesen Hanf derzeit als Mittel gegen Rheuma, Gicht, Malaria, Verstopfung und Menstruationsbeschwerden sowie äußerlich zur Therapie von Hautkrankheiten, Wunden und Geschwüren.
 
Der Hanf gelangte über Indien und das Zweistromland, das größtenteils im heutigen Irak liegt, früh nach Europa. Eine der ersten Regionen, in der er sich verbreitet hat, ist Thüringen. Dort ist seine Nutzung im Raum Eisenberg bereits seit einigen Jahrtausenden durch archäologische Funde bezeugt.
 

Altertum

In der Antike erfreute sich die Hanfpflanze steigender Beliebtheit. Der Historiker, Völkerkundler und Geograph Herodot (ca. 485-425 v. Chr.) berichtet von der außergewöhnlichen Hanf-Kleidung der Thraker, einem Reitervolk aus der Balkanregion. Später gingen auch die Griechen dazu über, Kleidung aus Hanf zu tragen. 
 
Von Griechenland aus fand die Pflanze schließlich ihren Weg zu den Römern. Diese verwendeten Hanf offenbar in erster Linie als Mittel gegen Schmerzen. Plinius der Ältere (23/24-79 n. Chr.), ein römischer Gelehrter, lobte in seiner naturgeschichtlichen Abhandlung Naturalis Historia die schmerzlindernden Eigenschaften der Hanf-Wurzel gegen Gicht. Der Arzt Pedanios Dioskurides, ein Zeitgenosse des Plinius, heilte mit  kaltgepresstem Hanföl Ohrenschmerzen, wie wir aus seiner Arzneimittellehre Materia Medica erfahren können.
 

Mittelalter

Im Mittelalter gebrauchte man Hanffasern in Europa vor allem zur Produktion von Seilen, Segeln oder Kleidung. Karl der Große regelte 812 n. Chr. den Anbau von Nutz- und Heilpflanzen in den Königsgütern. Er verfasste dafür eine Landgüterverordnung (capitulare de villis vel curtis imperii), in der auch den Hanf (canava) aufnahm. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179 n. Chr.) setzte den Hanfsamen als therapeutisches Mittel gegen Magenprobleme und Bronchitis sowie zur Bereitung eines Umschlags gegen Geschwüre, Wunden oder Rheuma ein.  Schließlich begann man dann im späten Mittelalter auch in Europa mit der Papierproduktion aus Hanffasern. So wurde zum Beispiel 1455 die Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt.
 

Neuzeit und Moderne

Im 18. Und 19. Jahrhundert ging die Produktion von Textilien und Papier aus Hanffasern immer mehr zurück. Als Heilmittel wurde der Hanf jedoch immer beliebter. Hanfextrakte waren insbesondere als schmerzlindernde Wirkstoffe in vielen gängigen Arzneimitteln zu finden. Diese wurden beispielsweise als Schmerzmittel gegen Rheuma, Kopfschmerzen sowie Migräne eingesetzt, fanden aber auch häufig als Bestandteil von Beruhigungsmitteln oder Antiseptika Anwendung. Darüber hinaus nutze man Hanfextrakte zur Behandlung von Husten und Asthma.
 
1972 wurde Cannabis in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen und Hanfextrakte galten somit als narkotische Drogen. Infolgedessen verschwanden sogar die nicht psychoaktiven cannabis sativa-Sorten allmählich vom Markt. In vielen Ländern war es sogar zeitweise komplett verboten, Hanf zu kultivieren. Erst seit 1995 begann man wieder mit dem Anbau der Pflanzen.

Botanik

Da Hanf sich bereits vor mehreren Jahrtausenden weltweit verbreitet  hat, ist nicht mehr eindeutig zu bestimmen, wo seine ursprüngliche Heimat liegt. Den archäologischen Zeugnissen nach zu urteilen, stammt er aus dem zentralasiatischen Raum. Der Hanf ist ein einjähriges Kraut, das als Wildwuchs etwa bis zu 3 Meter hoch wachsen kann. Als Nutzpflanze kann er unter guten Bedingungen allerdings sogar bis zu 5 Meter groß werden.
 
Hanf ist eine diözische (zweihäusige) Pflanze. Das bedeutet, es gibt männliche und weibliche Hanfpflanzen. Zwitterpflanzen (monözische, bzw. einhäusige Pflanzen) kommen seltener vor.  Die weibliche Hanfpflanze unterscheidet sich von der männlichen durch ihren verzweigten Wuchs und ihre großen kräftigen Blätter. Ihre relativ kompakten Blüten sind neben den Blättern an der Blattachse zu finden, wohingegen sich die männlichen Blüten auf den verzweigten Trieben traubenartig aneinanderreihen. Da die männliche Pflanze früher reift als die weibliche, erfolgt die Ernte zu unterschiedlichen Zeiten. Die Samen der Pflanze, auch Hanfnüsse genannt, erreichen einen Durchmesser von ca. 3mm und eine Länge von durchschnittlich 4mm.
 

Kultivierung

Hanf wird heutzutage weltweit kultiviert und gedeiht gut im gemäßigten bis tropischen Klima. Er liebt die Wärme sowie nährstoffreiche, tiefgründige und kalkhaltige Böden und sollte gut bewässert werden. Hanf ist eine robuste Pflanze und verfügt über die Fähigkeit, Unkraut von selbst zu hemmen. Da er zudem auch selten von Schädlingen befallen wird, benötigt man für den Anbau weder Pestizide noch Herbizide. Vor starkem Frost unter -4 Grad sollten insbesondere junge Pflanzen nach Möglichkeit bewahrt werden. Aus 100 Kilogramm Samen gewinnt man in etwa 30 Liter Hanföl.
 
In der EU sind ausschließlich Hanfsorten erlaubt, deren THC-Gehalt höchstens bei 0,2 Prozent liegen. Ein EU-Sortenkatalog regelt welche bisher 52 Sorten für den Anbau zugelassen sind.

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